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Kinder- und Jugendliteratur
Part 1

a one-day conference on 18 November2000 at the LSE London,
Room A144, Houghton Street, London WC2A 2AE

 

TAGUNGSBERICHT

Astrid Kuellmann-Lee

Trotz Überflutungen und stark reduzierter Frequenz von Fernverkehrszügen fand sich eine Gruppe von sehr interessierten LehrerInnen zu einem Gedankenaustausch mit KollegInnen, UniversitätsdozentInnen und natürlich den AutorInnen ein. Es gab keine langen Kaffee- und Mittagspausen, die Zeit wurde zu Diskussionen und zum Gedankenaustausch genutzt. Es gab aber auch kein Entkommen aus der zunehmend heißer werdenden Seminaratmosphäre. Wie bei solchen Vertanstaltungen üblich, gefiel dem/der einzelnen TeilnehmerIn hier und dort ein Vortrag besser oder auch weniger gut; sie variierten von einer impressionistischen Darstellung einer noch unvollendeten Forschungsarbeit zu der brilliant ausformulierten Darbietung einer jungen Kollegin.

Da Helmut Pachler leider kurzfristig absagen mußte — sein Vortrag ist auf Juni verschoben —, sprang Susan Tebbutt in letzter Minute ein. Ihre Einstimmung auf das Thema "Grenzgänger", bei der alle Anwesenden zur Mitarbeit aufgerufen waren, war sicher gruppendynamisch für den weiteren Verlauf des Tages von großer Bedeutung. Susan verglich Text und Bilder von "Die Geschichte vom fliegenden Robert" mit einer englischen Persiflage und dem Text einer englischen Übersetzung — nachzulesen in den 'Arbeitsmaterialien' (Restexemplare der Arbeitsmaterialien sind noch von Astrid Küllmann-Lee erhältlich). Gabriela Steinke befaßte sich mit der neuen Kinderliteratur in den neuen Bundesländern, und mit der damit zusammenhängenden Frage, warum einige Autoren sich neuerdings diesem Genre zugewandt haben. Netterweise hat sie für die überarbeiteten LehrerInnen eine "Chronologie der Wende" zusammengestellt. Katrien Vloeberghs untersuchte die Ambivalenzen in Heinrich Hoffmanns und Wilhelm Buschs Bildergeschichten. Nach der Kaffeepause griff David Blamires das Thema wieder auf und verglich die englische Rezeption von "Nussknacker und Mäusekönig" von E.T.A. Hoffmann mit der von Alexandre Dumas — Zeittafel und Bibliographie zu diesem Thema sind ebenfalls in den Arbeitsmaterialien abgedruckt. Martha Wörsching beendete den akademischen Vormittag mit einer sehr informativen Untersuchung deutscher Jugendmagazine. Sie hat freundlicherweise eine deutsche Kurzfassung ihres Vortrags verfaßt, der ebenfalls in den Arbeitsmaterialien zu finden ist. Die Farbbilder der Anzeigenwerbung konnten aus urheberrechtlichen Gründen leider nicht abgedruckt werden.

Den Nachmittag bestritten die österreichische Jugendbuchautorin Renate Welsh und der Schweizer Autor Jürg Schubiger, die sich so fein abgesprochen hatten, dass Ermüdungserscheinungen gar nicht auftreten konnten. Frau Welsh machte zunächst ein Sprachspiel und beschrieb weitere Sprachspiele, die sich nicht nur in der Sprachtherapie, sondern auch im Fremdsprachenunterricht gut einsetzen lassen und den SchülerInnen / StudentInnen das Gefühl geben, mit ihren sprachlichen Produktionen ernst genommen zu werden. Auch — oder gerade? — in dieser relativ großen Gruppe treten dabei natürlich immer psychologische Aspekte zutage. Darauf folgten Auszüge aus Schubigers Geschichten, der seine Kollegin um deren 'vortragsgerechtere' Produktionen beneidete. Hier sind zu nennen: "Wo ist das Meer?" und "Als die Welt noch jung war" (Gulliver TB 393, Beltz, Weinheim 2000); "Mutter, Vater, ich und sie" (ab Dezember 2000 wieder auf dem Markt). Renate Welsh las die Geschichte "Rötschädlerte Hexerei" und mit einem Auszug aus "Besuch aus der Vergangenheit" (Nagel & Kimche) machte sie uns mit einem österreichischem Beitrag zur Vergangenheitsbewältigung bekannt. Jürg Schubiger und Renate Welsh stellten beide freundlicherweise Texte für dei AMGS Webseite zur Verfügung.

Am Ende des Tages fühlten sich wohl alle bereichert und gaben der Meinung Ausdruck, dass ein solcher Gedankenaustausch regelmäßiger stattfinden sollte.
Das ist ja gerade der Auftrag an die AMGS: eine Brücke zu bauen zwischen Schulen (deutsche, eng-lische, internationale), Colleges und den (immer internationaler werdenden britischen) Universitäten. Die AMGS diskutiert zur Zeit über die Einführung eines 2-3 mal im Jahr stattfindenden Workshops. Diesbezügliche Vorschläge und Anregungen bitte an A.T.Kuellmann-Lee@lse.ac.uk.

Der zweite Teil der Kinder- und Jugendliteraturtagung wird am 9. Juni 2001 im Goethe-Institut London stattfinden. Am vorhergehenden Abend soll, so hoffen wir, die Autorin Miriam Pressler eine Lesung halten.

 

Conference Organisers: Susan Tebbutt, Astrid Küllmann-Lee, Norbert Pachler, Ulrike Cohen

 
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