Astrid Kuellmann-Lee
Trotz Überflutungen und stark
reduzierter Frequenz von Fernverkehrszügen fand sich eine
Gruppe von sehr interessierten LehrerInnen zu einem Gedankenaustausch
mit KollegInnen, UniversitätsdozentInnen und natürlich den
AutorInnen ein. Es gab keine langen Kaffee- und Mittagspausen,
die Zeit wurde zu Diskussionen und zum Gedankenaustausch genutzt.
Es gab aber auch kein Entkommen aus der zunehmend heißer werdenden
Seminaratmosphäre. Wie bei solchen Vertanstaltungen üblich,
gefiel dem/der einzelnen TeilnehmerIn hier und dort ein Vortrag
besser oder auch weniger gut; sie variierten von einer impressionistischen
Darstellung einer noch unvollendeten Forschungsarbeit zu der
brilliant ausformulierten Darbietung einer jungen Kollegin.
Da Helmut Pachler leider kurzfristig
absagen mußte sein Vortrag ist auf Juni verschoben
, sprang Susan Tebbutt in letzter Minute ein. Ihre Einstimmung
auf das Thema "Grenzgänger", bei der alle Anwesenden zur Mitarbeit
aufgerufen waren, war sicher gruppendynamisch für den weiteren
Verlauf des Tages von großer Bedeutung. Susan verglich Text
und Bilder von "Die Geschichte vom fliegenden Robert" mit
einer englischen Persiflage und dem Text einer englischen
Übersetzung nachzulesen in den 'Arbeitsmaterialien'
(Restexemplare der Arbeitsmaterialien sind noch von Astrid
Küllmann-Lee erhältlich). Gabriela
Steinke befaßte sich mit der neuen Kinderliteratur in den
neuen Bundesländern, und mit der damit zusammenhängenden Frage,
warum einige Autoren sich neuerdings diesem Genre zugewandt
haben. Netterweise hat sie für die überarbeiteten LehrerInnen
eine "Chronologie der Wende" zusammengestellt. Katrien Vloeberghs
untersuchte die Ambivalenzen in Heinrich Hoffmanns und Wilhelm
Buschs Bildergeschichten. Nach der Kaffeepause griff David
Blamires das Thema wieder auf und verglich die englische Rezeption
von "Nussknacker und Mäusekönig" von E.T.A. Hoffmann mit der
von Alexandre Dumas Zeittafel und Bibliographie zu
diesem Thema sind ebenfalls in den Arbeitsmaterialien abgedruckt.
Martha Wörsching beendete den akademischen Vormittag mit einer
sehr informativen Untersuchung deutscher Jugendmagazine. Sie
hat freundlicherweise eine deutsche Kurzfassung ihres Vortrags
verfaßt, der ebenfalls in den Arbeitsmaterialien zu finden
ist. Die Farbbilder der Anzeigenwerbung konnten aus urheberrechtlichen
Gründen leider nicht abgedruckt werden.
Den Nachmittag bestritten die
österreichische Jugendbuchautorin Renate Welsh und der Schweizer
Autor Jürg Schubiger, die sich so fein abgesprochen hatten,
dass Ermüdungserscheinungen gar nicht auftreten konnten. Frau
Welsh machte zunächst ein Sprachspiel und beschrieb weitere
Sprachspiele, die sich
nicht nur in der Sprachtherapie, sondern auch im Fremdsprachenunterricht
gut einsetzen lassen und den SchülerInnen / StudentInnen das
Gefühl geben, mit ihren sprachlichen Produktionen ernst genommen
zu werden. Auch oder gerade? in dieser relativ
großen Gruppe treten dabei natürlich immer psychologische
Aspekte zutage. Darauf folgten Auszüge aus Schubigers Geschichten,
der seine Kollegin um deren 'vortragsgerechtere' Produktionen
beneidete. Hier sind zu nennen: "Wo ist das Meer?" und "Als
die Welt noch jung war" (Gulliver TB 393, Beltz,
Weinheim 2000); "Mutter, Vater, ich und sie" (ab Dezember
2000 wieder auf dem Markt). Renate Welsh las die Geschichte
"Rötschädlerte Hexerei" und mit einem Auszug aus "Besuch aus
der Vergangenheit" (Nagel & Kimche)
machte sie uns mit einem österreichischem Beitrag zur Vergangenheitsbewältigung
bekannt. Jürg Schubiger und Renate Welsh stellten beide
freundlicherweise Texte für
dei AMGS Webseite zur Verfügung.
Am Ende des Tages fühlten sich
wohl alle bereichert und gaben der Meinung Ausdruck, dass
ein solcher Gedankenaustausch regelmäßiger stattfinden sollte.
Das ist ja gerade der Auftrag an die AMGS: eine Brücke zu
bauen zwischen Schulen (deutsche, eng-lische, internationale),
Colleges und den (immer internationaler werdenden britischen)
Universitäten. Die AMGS diskutiert zur Zeit über die Einführung
eines 2-3 mal im Jahr stattfindenden Workshops. Diesbezügliche
Vorschläge und Anregungen bitte an A.T.Kuellmann-Lee@lse.ac.uk.
Der zweite Teil der Kinder-
und Jugendliteraturtagung wird am 9. Juni 2001 im Goethe-Institut
London stattfinden. Am vorhergehenden Abend soll, so hoffen
wir, die Autorin Miriam Pressler eine Lesung halten.